Anleitungen/101
Veröffentlicht am 24. April 2026
Wie wählt man einen 3D-Scanner für die Messtechnik aus?
In diesem Leitfaden werden die Auswahlkriterien nach Objektgröße, Genauigkeitsstandards und Materialverträglichkeit erläutert, um Ihren Arbeitsablauf bei der Qualitätskontrolle zu optimieren.
Warum ist optisches 3D-Scannen heute so wichtig?
In der schnelllebigen Fertigungslandschaft von heute ist es wichtiger denn je, strenge Qualitätskontrollen zu gewährleisten und gleichzeitig eine hohe Effizienz aufrechtzuerhalten. Da komplexe Geometrien und fortschrittliche Werkstoffe zur Norm werden, reichen herkömmliche berührende Messverfahren oft nicht mehr aus.
Optisches 3D-Scannen hat sich als bahnbrechende Innovation etabliert und beschleunigt die digitale Transformation durch Präzision im Mikrometerbereich. Durch die berührungslose Erfassung von Oberflächen-Vollfelddaten lassen sich flexible oder empfindliche Objekte perfekt erfassen, ohne dass das Risiko einer Verformung besteht, wodurch die Ausfallzeiten bei der Prüfung entlang der gesamten Produktionskette erheblich reduziert werden.
Doch wie wählen Sie angesichts der Vielzahl verfügbarer Technologien den richtigen 3D-Messscanner für Ihren Betrieb aus? Hier finden Sie eine umfassende Schritt-für-Schritt-Anleitung, die Sie bei der Auswahl Ihrer Messtechniklösung unterstützt.
Schritt 1: Bestimmen Sie die Größe Ihres Objekts
Die Größe Ihres Bauteils ist das wichtigste Kriterium bei der Auswahl.
- Kleinteile (< 500 mm): Für diese Objekte sind Systeme erforderlich, dieauf die Erfassung komplexer innerer Hohlräume und feiner Geometrien ausgelegt sind.

(100 bis 300 mm)

(50 bis 200 mm)

(20 bis 120 mm)

(10 bis 100 mm)
- Mittlere bis große Bauteile (500 mm bis 2500 mm): Die Baugruppen weisen komplexe Oberflächen, vielfältige Strukturen und große gekrümmte Bereiche auf, die tragbare Scanlösungen erfordern

(500 bis 1000 mm)

(500 bis 800 mm)

(600 bis 1500 mm)

(1200 ~ 2500 mm)
- Besonders große Strukturen (> 2500 mm): Massive Bauteile erfordern Scanner mit einem großen Erfassungsbereich, um über große Flächen hinweg eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten.

(2500 bis 5000 mm)

(2000 ~ 3000 mm)

(2500 bis 4500 mm)

(3000 ~ 5000 mm)
Schritt 2: Festlegung der Genauigkeitsanforderungen
Unterschiedliche Anwendungsbereiche erfordern spezifische Toleranzwerte. Jeder von uns hergestellte 3D-Messscanner wird anhand strenger internationaler Normen wie VDI/VDE 2634 und ISO 10360 gründlich geprüft. Auf der Grundlage dieser strengen messtechnischen Rahmenbedingungen unterteilen wir die Genauigkeitsanforderungen in drei Hauptstufen, um Ihnen dabei zu helfen, das für Sie am besten geeignete Modell zu finden.
0,005 ~ 0,02 mm
Für funktionale Sicherheit, strenge GD&T und Reverse Engineering. Für scharfe Kanten an winzigen Merkmalen sind hochauflösende Kameras zu empfehlen.
0,02 ~ 0,05 mm
Der Standard für Montagetoleranz und Strukturanalyse. Handgeführte 3D-Scanner bieten hohe Genauigkeit und Mobilität bei der Messung mittelgroßer Bauteile.
0,05 ~ 0,1 mm
Geeignet für Gesamtverformungsanalyse, Oberflächenabweichungen und große Karosserieteile. Für großflächige Strukturen sind Tracking-Systeme zu empfehlen.
Schritt 3: Berücksichtigen Sie weitere Faktoren
Berücksichtigen Sie abschließend das Betriebsumfeld, die Effizienz der Arbeitsabläufe und die Komplexität der Funktionen:
In komplexen Fertigungsbereichen oder auf erhöhten Arbeitsbühnen stellen Kabel eine Stolpergefahr dar und schränken die Bewegungsfreiheit ein. Scanner mit integrierter Datenverarbeitung und Funkverbindung optimieren den Arbeitsablauf.
In Fällen, in denen das Anbringen von Markern unmöglich, unpraktisch oder zu zeitaufwendig ist, kommen dynamische Tracking-Systeme zum Einsatz, die mithilfe optischer Tracker die räumliche Position des Scanners ohne Marker ermitteln und so die Vorbereitungszeit drastisch verkürzen.
Wenn Zeit Geld ist und Sie große Bauteile scannen, sollten Sie die mühsame Vorarbeit überspringen. Wir empfehlen Ihnen daher dringend Hand- oder Tracking-Scanner. Dank ihrer dynamischen Tracking-Funktionen ermöglichen sie ein schnelles, markierungsfreies Scannen, sodass Sie in Rekordzeit direkt zur Datenerfassung übergehen können.
Praxisszenarien: Wie lässt sich dieser Leitfaden anwenden?
Um zu sehen, wie dieser schrittweise Ansatz in der Praxis funktioniert, betrachten wir drei typische Beispiele aus der Industrie:
Fall 1: Unterhaltungselektronik | Prüfung von Handygehäusen
Funktionen
- Extrem kleine und dünne mit komplexen Schnappverbindungen und Mikro-Montagelöchern.
- Die Oberflächen bestehen häufig aus stark reflektierenden Metallen oder tiefschwarzen Verbundwerkstoffen.
Bedarf
- Eine hohe Auflösung ist erforderlich, um mikroskopisch kleine geometrische Merkmale zu erfassen und strenge Montagetoleranzen einzuhalten.
- Ein zerstörungsfreier Arbeitsablauf, je nachdem, ob die empfindliche Oberfläche das Aufsprühen von Pulver zulässt.
Empfehlung
1. Hauptgerät: OptimScan Q-Serie
2. Alternative: FreeScan Handheld-Serie (für Szenarien, in denen absolut keine Sprühmittel zum Einsatz kommen dürfen)
Gründe für die Wahl der OptimScan Q-Serie
- Hohe Genauigkeit (0,005 mm) mit blauem strukturiertem Licht.
- Die MSF-Funktion ermöglicht eine bessere Erfassung von engen Winkeln und schmalen Spalten.
- Hochauflösende Kameras (12,3 M) eignen sich perfekt für die Erfassung winziger Kanten und Lochmerkmale.

Fall 2: Energie | Bewertung der Integrität von Rohrleitungen
Funktionen
- Mittelgroße bis große Rohrleitungsanlagen sind in Öl-, Gas- und Chemieanlagen typisch.
- Sie befinden sich in hochkomplexen, engen und mit Hindernissen übersäten Außen- oder Industrieumgebungen.
- Zu den Oberflächenzuständen können Korrosion, Rost oder Beschichtungen gehören.
Bedürfnisse
- Effizientes Scannen großer Flächen
- Flexibilität im Betrieb (möglicherweise markierungsfrei oder mit reduzierter Markeranzahl sowie kabellos)
- Fähigkeit, Details zur Oberflächenverschlechterung zu erfassen (z. B. Korrosionstiefe)
Empfehlung
Gründe für die Wahl der FreeScan Omni-Serie
- 100 % kabellos: Es gibt keine Kabel, über die man stolpern könnte. Sie können sicher auf Gerüste klettern und sich in enge Spalten zwängen.
- Präzise Erfassung von Schäden: Das Gerät erfasst schnell und mit wiederholbarer Genauigkeit die Tiefe und Form von Vertiefungen und Beulen und liefert Ihnen so einen unverfälschten Einblick in den tatsächlichen Zustand des Rohrs.
- Entscheidungen vor Ort: Integriert in die Inspektionssoftware. Sie erhalten die Inspektionsergebnisse direkt vor Ort und können sofort Entscheidungen treffen.



Fall 3: Automobilindustrie | Reverse Engineering von Tonmodellen
Funktionen
- Großformatig (oft über 2500 mm).
- Glatte, organische Oberflächen mit sanften Krümmungsübergängen.
- Das Tonmaterial ist äußerst zerbrechlich.
Bedürfnisse
- Vollfeld-Abtastfunktion für große Objekte.
- Bei der Messung darf kein physischer Kontakt stattfinden, und es dürfen keine Klebe auf der Oberfläche angebracht sein.
- Es werden außergewöhnlich glatte und durchgehende Oberflächendaten benötigt, um hochwertiges Reverse Engineering und Styling-Design zu ermöglichen.
Empfehlung
Gründe für die Wahl der FreeScan Trak-Serie
- Durch das markierfreie Scannen wird eine Beschädigung der Tonmodelle vermieden
- Drahtloses Scannen
- Die dynamische Verfolgung gewährleistet eine gleichbleibende Genauigkeit und macht häufiges Neupositionieren überflüssig, was die Effizienz steigert
- Ideal für das Scannen der gesamten Oberfläche und globale Genauigkeit
- Hohe Scangeschwindigkeit bei großem Erfassungsbereich

Fazit
Bei der Auswahl eines 3D-Messscanners geht es weniger darum, das „modernste“ System zu wählen, als vielmehr darum, das für eine bestimmte Aufgabe am besten geeignete Gerät zu finden. In vielen Fällen liegt die Schwierigkeit eher in unklaren Anforderungen als in der Technologie selbst.
Ein strukturierter Ansatz – ausgehend von der Objektgröße, dann der Genauigkeit und schließlich den besonderen Anforderungen– hilft dabei, einen ansonsten möglicherweise überwältigenden Auswahlprozess zu vereinfachen. Außerdem werden dadurch Kompromisse deutlicher sichtbar, sei es zwischen Genauigkeit und Effizienz oder zwischen Flexibilität und Stabilität.
Anstatt zu fragen: „Welcher Scanner ist der beste?“, ist es sinnvoller zu fragen:
- Welches Problem möchte ich lösen?
- Welche Einschränkungen gelten für diese Anwendung?
Mit klaren Antworten auf diese Fragen wird die Wahl des richtigen 3D-Messscanners zu einem logischen Ergebnis statt zu einem Prozess des Ausprobierens und führt letztendlich zu besserer Datenqualität, höherer Effizienz und weniger Kompromissen im praktischen Einsatz.
